Die Hirschbrunft in den slowakischen Bergen Busov

Die Natur der Busov Berge hat mich beim ersten Besuch vor drei Jahren bezaubert. Seitdem besuchte ich sie mit Ausnahme des Winters in allen Jahreszeiten, und immer bin ich von da mit vielen photografischen, jagdlichen oder turistischen Erlebnissen weggefahren. Wie ich schon in den vorherigen Texten erwähnte, die Busov Berge sind für einen Fotografen unikat durch ein System von weitreichenden Wiesen, die sich am Fuss der Busov Berge befinden, und auf denen kann man relativ komfortabel  vom Boden fotografieren kann. Scenerisch sind die Wiesen insbesondere dann herrlich, wenn sie nicht gemäht und mit frischem Gras bewachsen sind.

Ein paar obligatorische Angaben zu den Bergen Busov, die ich in jedem Text von Busov Bergen wiederhole:).. Das Gebirge Busov verbreitet sich im Ostnorden der Slowakischen Republik an der Grenze mit Polen. Das Gebirge gehört in das Gebiet der Aussenostkarpaten. Das höchste Gipfel ist der Berg Busov mit 1002 m.ü.M.

Was die mehr seltenen Tierarten angeht, sind hier der Wolf (Canis lupus lupus) oder Luchs (Lynx lynx) zu Hause, der Braunbär (Ursus arctos) ist in dieser Region eher selten. Den Wald bilden vor allem die Buchen, wobei insbesondere in den höher gelegenen Gebirgsgebieten ist das Vorkommen der uralten riesigen Buchen sehr häufig, die den typischen Karpatenurwald ausmachen. Von der jagdlichen Sicht ergänze ich noch, dass Busov Berge ein Bestandteil des Hirschgebietes JXXII Niedrige Beskydy sind.

Rothirsch (Cervus Elaphus), Autor: Jan Broz, Model: Canon EOS 1D Mark IV, Objektiv: Canon EF 500mm f/4 L IS USM, Brennweite (EQ35mm): 650 mm, Stativ: Gitzo, Blende: 6.3, Expositionszeit: 1/200 s, ISO: 1000, Expositionszeitkorrektur: -2/3, Blitz: Nein, Erstellt: 22. September 2011 6:39:32, Busov (Slowakische Rep.)

Diesjähriche Hirschbrunft, übrigens wie das Wetter in den Busov Bergen gesamt seit der zweiten Augusthälfte, wurde durch ein sehr warmes und sonniges Wetter mit einem absoluten Regenminimum charakterisiert. Das ist zwar sicherlich angenehm, nichtsdestotrotz hat es für einen Fotografen drei entscheidende Nachteile. Bei warmem Wetter verläuft die Hirschbrunft nicht so laut, die Hirsche röhren nicht so laut, und deshalb können sie schlechter lokalisiert werden und sie können schlechter auf eine fotografierbare Distanz angenähert werden.

 Ältere starke Hirsche, um die es einem Fotografen vor allem geht, dann bei einem warmen Wetter von den Bergen am Abend noch später  runterkommen (d.h. meistens erst bei Dunkelheit) als sonst, und am Morgen wieder noch bei Dunkelheit in die Berge zurückkehren. Drittens, wie ich schon erwähnte, falls das warme Wetter ohne die Regen zu lange dauert, die Wiesen missen die richtige grüne Farbe, resp.die Wärme behindert ein genügendes Wachstum eines frischen Grases auf den Wiesen, auf denen verlief das sommerliche Mähen erst nach den letzten Regen.

Rehwild (Capreolus capreolus), Autor: Jan Broz, Model: Canon EOS 1D Mark IV, Objektiv: Canon EF 500mm f/4 L IS USM + 1.4x, Brennweite (EQ35mm): 910 mm, Stativ: Gitzo, Blende: 6.3, Expositionszeit: 1/100 s, ISO: 1250, Expositionszeitkorrektur: -2/3, Blitz: Nein, Erstellt: 22. September 2011 17:30:48, Busov (Slowakische Rep.)

Nichtsdestotrotz, das waren im Prinzip Kleinigkeiten, die Hirsche fingen insbesondere in der zweiten Hälfte unseres Aufenthaltes an, prima zu röhren, die Morgen wurden kälter, und es war eindeutig, dass sich der Beginn der diesjaehrigen Hirschbrunft um einige Tage, vieleicht um eine ganze Woche verschoben hat. Dieses Jahr wollte ich das Fotografieren etwas zielorientierter angehen, d.h. sich mehr fotografisch bemühen, das bedeutet vor allem, die viel Kilogram wiegende fotografische Ausrüstung auf jede Jagdpirsch mit sich zu schlepen, und mehr qualitativ gute Bilder zu machen, als das letztes Jahr der Fall war, wo es mir gelungen ist, einen starken Hirschen nur einmal gualitativ gut zu fotografieren.

Dieses Jahr habe mir das bescheidene Ziel vorgenommen, zwei bis drei Treffen mit einem starken Hirschen zu fotografieren, was im Prinzip gelang, wobei das dritte noch bei einem sehr schlechten Licht kurz nach dem Tagesanbruch war, und dann war das schon eine andere, ungewöhnliche und unerwartet dramatische, nichtsdestotrotz nicht fotografische Geschichte.

Rothirsch (Cervus Elaphus), Autor: Tomas Berger

Kleine Erklärung, warum solches Interesse nur an starken Hirschen. Jeder Hirsch ist ein schönes Tier, aber nur ein Hirsch mit einem grossen und starken Geweih vollkommen erfüllt die klasische estetische und wahre Vorstellung über die Stärke und Majestät dieses Tieres, und über seine symbolische Rolle des Königes der forstlichen Wälder:).. Daraus ergibt sich auch die oft mit Recht verurteilte, aber aus dieser Sicht verständliche Sehnsucht der Jäger nach starken Geweihen. Ebenfalls unsere klassische fotografisch-jagdliche Gruppe, d.h. mich und Kameraden, den unüberwindbaren Kenner der Busov Hirsche und gleichzeitig Chef der Busovjäger Stano Potanovic, ergänzte der Kollege Fotograf Tomas Berger.

Die Anwesenheit des zweiten Fotografen hatte auch den Vorteil, dass es möglich war, Bilder in der fortgeschrittenen Phase der Hirschjagd zu machen, in der es nicht mehr möglich ist, die fotografische und jagdliche Aktivität zu kombinieren.

Rothirsch (Cervus Elaphus), Autor: Jan Broz, Model: Canon EOS 1D Mark IV, Objektiv: Canon EF 500mm f/4 L IS USM, Brennweite (EQ35mm): 650 mm, Stativ: Gitzo, Blende: 6.3, Expositionszeit: 1/100 s, ISO: 1000, Expositionszeitkorrektur: -2/3, Blitz: Nein, Erstellt: 22. September 2011 6:39:50, Busov (Slowakische Rep.)

Fotografisch-jagdliche Taktik in den Busov Bergen ist morgens und abends unterschiedlich. Am Morgen ist es notwendig, noch bei Dunkelheit auf dem Waldweg auf die Hänge der Busov Berge zu gelangen, und dann auf die Wiesen runterzukommen, oder weiter in die Berge zu gehen und warten, wo der Hirsch anfängt, zu röhren. Dann mit schon vorbereiteter fotografischer Ausrüstung querfeldein dahin zu laufen, wo sich der Hirsch meldet, und hoffen, dass man den Hirsch in einer fotografierbaren Distanz, schon bei Licht und in einem fotografisch interessanten Umfeld zur Sicht bekommt, und sich alles so entwickelt, dass das Fotografieren möglich sein wird. Es ist etwas Glückssache, nichtsdestotrotz, es ist die wahre Fotojagd auf den Hirsch in freier Natur, mit entsprechendem Anteil von Aktion, Spannung und physischer Anstrengung.

Zweimal klappte es auf einer Wiese dank der Tatsache, dass sie noch anfangs August gemäht wurde, wo es genügend regnete, und so es möglich war, dass auf ihr ein das Wild anziehende Gras aufwachsen konnte, das auch fotografisch attraktiv ist. Das Hauptproblem des morgigen Fotografiefens ist aber der schon erwähnte Mangel an Licht. Ein alter Hirsch wartet einfach nicht auf den Sonnenaufgang, und allgemein fehlt immer ein Viertel oder halbe Stunde, so dass das Fotografieren nicht nur erlebniss- sondern auch lichtmässig optimal waere.

Liška obecná (Vulpes vulpes), Autor: Jan Broz, Model: Canon 1D Mark IV, Objektiv: Canon EF 500mm/4 L IS USM, Brennweite (EQ35mm): 650 mm, Stativ: Gitzo 3541LS, Blende: 5.6, Expositionszeit: 1/200 s, ISO: 800, Expositionszeitkorrektur: -2/3, Blitz: Nein, Erstellt: 23. September 2011 18:00:06, Busov (Slowakische Rep.)

Abends heisst es dann, wieder in die Berge zu laufen, warten, wo sich der Hirsch meldet und hoffen, dass man den Hirsch in einer fotografierbaren Distanz, noch bei Licht und in einem fotografisch interessanten Umfeld zur Sicht bekommt, und sich alles so entwickelt, dass das Fotografieren möglich sein wird. Oder, und das haben wir abends fast immer so praktiziert, am Rande einer geeigneten Wiese, gut versteckt, warten, bis die Hirsche aus dem Wald rauskommen. Die Frage ist wieder bei welchem Licht, aber spanned bleibt es immer sowieso. 

Rothirsch (Cervus Elaphus), Autor: Tomas Berger

Rothirsch (Cervus Elaphus), Autor: Jan Broz, Model: Canon EOS 1D Mark IV, Objektiv: Canon EF 500mm f/4 L IS USM+1.4x, Brennweite (EQ35mm): 910 mm, Stativ: Gitzo, Blende: 5.6, Expositionszeit: 1/20 s, ISO: 1250, Expositionszeitkorrektur: -2/3, Blitz: Nein, Erstellt: 22. September 2011 18:30:15, Busov (Slowakische Rep.)

Rothirsch (Cervus Elaphus), Autor: Jan Broz, Model: Canon EOS 1D Mark IV, Objektiv: Canon EF 500mm f/4 L IS USM + 1.4x, Brennweite (EQ35mm): 910 mm, Stativ: Gitzo, Blende: 5.6, Expositionszeit: 1/8 s, ISO: 3200, Expositionszeitkorrektur: -2/3, Blitz: Nein, Erstellt: 24. September 2011 6:03:16, Busov (Slowakische Rep.)

Jan Broz | Svarohactive.cz

21.5.2012, Plzen

 
1 Kommentare

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1 CAT | 20.9.2015

Gratuliere zu diesem liebevollen und gut kommentierten Beitrag. Jedem Jäger aber auch Naturliebhaber kann ich nur raten einmal diese in der Slowakei und Polen gelegenen naturbelassenen Gebiete zu besuchen. Dazu die bodenständige sympathische Bevölkerung. Bei den Jägern sind insbesondere in den Staatsbetrieben noch die schönen alten (Monarchie) Jagdtraditionen erhalten. CAT

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